Sonntag, 9. August 2015

gut gegart mit Salzkruste. Der Fördetriathlon

Sonntag war also der Fördetriathlon. Zum ersten Mal nahm ich an dieser renomierten Veranstaltung teil und da wir als Abteilung anreisten, nahm ich die stressfreiere Variante und fuhr bereits Samstag nach Kiel. Was aufgrund der späten Startzeit nicht wirklich notwendig gewesen wäre, aber es ist doch auch mal schön ein bisschen Ruhe vor dem Sturm zu haben.


Da die A7 eine reine Baustelle ist und wir in Deutschland Sommerferien haben, erwies sich die Anreise als etwas haarig. Man könnte auch sagen, dass wir letztendlich 2:30 für eine Strecke brauchten, die man auch in einer Stunde schaffen kann. Wir hatten ja zum Glück Zeit.

Erstmal die Startnummer geholt, dass Funktionsteilnehmershirt gesichert (das finde ich schon mal cool) und die Messe besichtigt. Also die drei Stände, die da aufgebaut waren.


Einer von unserer Abteilung hatte noch auf einen Leihneo spekuliert, die telefonische Auskunft bekommen, dass es auch genügend gebe und hörte dann vor Ort natürlich ein "nein haben wir nicht mehr". Wie es immer so ist. Nun gut, er fand am Ende noch einen privaten Leihneo und alles war gut.


Die Pastaparty (im Preis mit drin) war von Portion und Geschmack absolut okay und fand in dem Ausflugsrestaurant auf dem Steg des Seebades Düsternbrook statt. Diese Seebar (Wortspiele 200) sollte am nächsten Tag noch ihre ganz eigene Bedeutung bekommen, denn vom Schwimmausstieg zur Wechselzone musste man direkt am Tresen vorbei laufen. Ich vergaß aber die Bestellung eines "Latte to run".


Ab ins Hotel, welches sich als nicht gerade modern, nicht gerade high end, aber ruhig herausstellte. So schlief ich bis 3 Uhr Nachts perfekt, bis irgendwelche Kieler Nachtschwärmer Party vor meinem Fenster machten. Nun gut, Fenster geschlossen und wieder eingeschlafen. Läuft doch.

Morgens dann doch etwas aufgeregt.  Es ist bei einer olympischen Distanz nicht die Streckenlänge an sich, die mir Sorgen macht, sondern immer das Schwimmen. Ich werde in meinem Leben kein guter Schwimmer mehr. Das ist so. Und da ist das immer ein bisschen ein Kampf und eine Überwindung.


Ab zur Wechselzone und den ganzen Kram eingecheckt. Ein kleines Minus war, dass es keine Gepäckaufbewahrung am Start gab. Folge: Man muss bereits vom Fahrrad barfuss zum Schwimmstart. Und das war nicht gerade um die Ecke. Finde ich bei einem Triathlon eigentlich ein "muss" so eine Gepäckaufbewahrung. Aber nun gut.


Ab in das Wasser, was an dem heutigen Tag komplett glatt war und sich als sehr gut schwimmbar herausstellte. Einige Wellen von Schiffen waren schon drin, aber ansonsten präsentierte sich die Förde kalt, klar und mit sehr wenig Quallen.

Ich orientierte mich am Ende des Feldes und begann erstmal mit ein paar Brustzügen zur Orientierung. Danach der Wechsel ins Kraueln. Und so war auch meine Taktik. Immer wechseln. Perfekt eigentlich 60 Züge Kraueln, dann 25 Züge Brust, dann wieder 60 etc. pp.


Das funktionierte eigentlich auch sehr gut und man merkt schon, dass man mit Neo in Salzwasser eine etwas andere Wasserlage hat, als im Schwimmbad.


Bis knapp vor der Wende fühlte ich mich relativ gut und eigentlich schwamm ich auch ganz gerade. Insbesondere weil ich immer einem Mädel direkt hinterher schwamm, die eine ähnliche Taktik sich zurecht gelegt hatte.

An der Wende (750 Meter) ein Blick auf die Uhr. 20:XX? Das ist sehr fein. Insbesondere wenn man 44 Minuten angepeilt hat.

Nun wurde mir das Mädel zu langsam und ich wollte sie außen überholen. Etwas länger gekrauelt und als ich nach oben guckte, hatte ich mich richtig schön verschwommen. Ich guckte nämlich in Richtung Strand und nicht in Richtung Seebrücke, wo der Schwimmausstieg war. Mist!


Nun schwamm ich also ganz weit außen und versuchte irgendwo wieder in die richtige Richtung zu kommen. Das gute Gefühl war also weg. Und dann hat man auch das Gefühl überhaupt nicht weiter zu kommen. Der Kopf sagt einem auch, dass das richtig Scheisse war und plötzlich ist alles doof.


Irgendwann kam ich aber wieder grob in die richtige Richtung und schwamm wieder in Richtung Seebrücke. Noch 250 Meter und mir war klar, du packst das wenigstens. Ein kleiner kurzer Krampf war schnell wieder aus dem Bein geschüttelt und nach einem letzten Krauelzug war ich auf der Treppe. Noch kurz ein bisschen ausgerutscht und von den Helfern gehalten, danach war das Abenteuer Schwimmen überstanden. Der Blick auf die Uhr lies mich dann aber doch ein bisschen an dem Konzept Zeitmessung zweifeln. Stand da doch 39:0X. Äh bitte? Wer ist da geschwommen? Ich definitiv nicht. Letztendlich stand offiziell eine 39:08 in den Büchern, was mal eben 4 Minuten schneller ist, als alles was ich je im Rahmen der olympischen Distanz geschwommen bin.


YEAH!

Beflügelt ging es in die sehr lange Wechselzone. Der Wechsel klappte für meine Verhältnisse ganz okay und dann ab auf die Radstrecke. 20 KM Runde, die zweimal zu durchfahren war. Sprich man musste viermal über die Holtenauer Hochbrücke. Und die heißt nicht Hochbrücke, weil sie ganz unten ist. Sprich 4 knackige Anstiege mit einer Länge von grob einem KM jeweils waren zu fahren.


Ich bin nicht wirklich der Kletterking, so dass ich natürlich hier erstmal verlor. Der Rest der Radstrecke war aber relativ flach, zwar mit einigen Kurven nicht ganz anspruchslos und auch der Asphalt war sehr norddeutsch (sprich kaputt), aber nach einer verhaltenen ersten Runde kam ich in der zweiten Runde echt ins Rollen und konnte so noch zwei Teilnehmer überholen, die vorher ein ganze Stück vor mir waren.


Letztendlich stand eine 1:38:10 inklusive beider Wechsel in den Büchern. Wenn ich mal 10 Minuten für beide Wechsel veranschlage (was bei mir realistisch ist), dann bin ich eine 1:28 auf dem Rad gefahren, was ein bisschen langsamer als meine Wunschzeit von 1:25 war, aber noch vollkommen im Rahmen.


Wechseln und ab auf die Laufstrecke. Vier Runden a 2,5 KM ist nicht gerade sehr spannend. Und das alles ohne Schatten und nun wurde es auch warm. Die erste Runde ging noch sehr flüssig, in der 2. Runde bekam ich doch ganz ordentlich Probleme. Werden mir hier jetzt die Grenzen aufgezeigt? Ne, mein Körper erholte sich nach einer kleinen Geh- und Wasserpause wieder und so konnte Runde 3 schon ganz ordentlich und Runde 4 richtig mit Zug gelaufen werden.


Hier mal ein großes Kompliment an die Helfer an der Strecke. Schon auf der Radstrecke viel Aufmunterung, viele Helfer, die vor Gefahrenstellen unermütlich warnten und hier auch sehr viele sehr fröhliche Helfer. Das war absolut TOP!

Insgesamt war die Strecke laut Leuten, die mit GPS laufen wohl etwas zu kurz, so dass die 1:00:38 (ups, da bin ich gestern echt in der Zeile verrutscht und hab was anderes geschrieben) ganz okay waren, nun kein Höhepunkt, aber doch okay. Das wären auf 10 KM wahrscheinlich irgendwas um die 1:03 geworden und das war im Einklang mit dem Plan, den ich mir zurecht gelegt hatte.

Egal! Gestern dachte ich noch, dass die nun gelaufene Nummer eine Bestzeit über die olympische Distanz ist, aber nein, in Ingolstadt war ich doch noch ein Stück schneller. Da war die Laufstrecke aber auch nur 9,1 KM lang, so dass der Vergleich natürlich hinkt.


Insgesamt aber eine 3:17:56 und damit für mich eine wirklich gute Zeit. Insbesondere das Schwimmen gefällt mir sehr. Das man mit so etwas immer noch gerade mal 6. von hinten wird, zeigt nur, wie viele wirklich gute Sportler da am Start standen. Insbesondere kam hinter mir auch noch ein Athlet an, der schwimmend und laufend viel schneller gewesen wäre, aber anscheinend eine Radpanne hatte und so eine 40 Minuten langsamere Radzeit stehen hat. Stark, dass der nicht aufgegeben hat, sondern das Ding durchgezogen hat. Das ist Spirit.


Noch ein kleines Minus in der sonst wirklich guten Organisation: Keine Medaille oder so. Das finde ich bei Wettkämpfen doch immer irgendwie wichtig.

Aber sonst: ein wirklich toller Wettkampf.


Die Rückfahrt dann unspektakulär und der Rest des Wochenendes war dann nur noch auf dem Sofa liegen.














Sonntag, 19. Juli 2015

Ein Comeback mit "Klong*

Während sich andere Menschen dieses Wochenende in irgendwelchen Camps rumtrieben, war für mich und die ganze Abteilung dieses Wochenende ganz im Zeichen des Triathlons.


Der Hamburg Triathlon ist für mich definitiv NICHT eine schöne Veranstaltung. Definitiv ist sein Preis/Leistungsverhältnis am Rande des Erträglichen. Und leider ist an der Strecke sehr wenig los. Trotzdem ist es schon so eine Art Pflichttermin, denn hier starten doch die meisten braun-weißen auf einmal und viele auswärtige Mitglieder kommen für dieses Wochenende nach Hamburg. So sah man doch viele vertraute und auch neue braun-weiße Gesichter und hatte wieder dieses "Wir sind St. Pauli" Gefühl.


Meine Wenigkeit wollte eigentlich Olympisch starten, hatte den Platz dann gut 1,5 Monate vor dem Wettkampf aufgegeben und an treue Hände in der Abteilung übertragen. Die Übernehmerin wurde letztendlich 60. Frau, da kann man wohl von "in sehr gute Hände abgegeben" sprechen.


Nach ein bisschen zögern meldete ich mich im Rahmen von "wir haben noch Restplätze" für die Sprintdistanz an. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich nicht auch die olympische Distanz geschafft hätte, aber wenn man das ganze Jahr noch nicht im Freiwasser war (!) und der Kopf irgendwie mit Schwimmdistanzen über 1000 Meter noch ein Problem hat, dann sollte man vielleicht einfach mal so einen Sprint für die Sicherheit und den Kopf einbauen.


So hatte ich eine sehr späte Startzeit und wartete sehr früh auf die restlichen braun-weißen. Da haben einige schon tolle Leistungen rausgehauen. Und wenn die hoch geschätzte @notaperecorder ihren ersten Triathlon macht und die @lollabie ein richtiges Brett raus haut, dann sind viele Leute sehr zufrieden. Ich begab mich dann langsam an den Start.


Neo oder nicht? Während in den letzten beiden Jahren einem diese Frage immer vom Reglement abgenommen wurde, war dieses Jahr ein Neo so eben gerade noch erlaubt, aber definitiv nicht notwendig.


Aber da kommen wir wieder zu oben. Für den Kopf ist es dann auch mal wichtig, den Neo im Wettkampf zu tragen und auch das Wechseln mit ihm zu üben. Sozusagen Routine rein bringen. Also rein in den Neo und rein in die Alster. Die trotzdem kalt war.


Kurz eingeschwommen und dann ging auch schon der Startschuss. Ich war ganz außen gestartet, da ich immer noch kein Freund von Freund- oder Feindberührung im Wasser bin. Ich kann weder durchgängig kraueln, noch kann ich durchgängig Brustschwimmen. Ich wechselte einfach. Das ging eigentlich auch ganz gut und so blieb ich hinten am Feld dran.


Komisches Gefühl. Zum ersten Mal in meinem Triathlonleben hatte ich wirklich Berührung mit einem dichten Feld und fiel nicht einfach hinten ab. Da musste ich auch schon mal Züge auslassen oder langsamer schwimmen, da ich eben nicht das Mädel vor mir treffen wollte.

Einschub: Leute! Es ist sowieso eine derbe Frechheit, wenn schnellere Schwimmer auf einer Sprintdistanz in Hamburg (= viele einmal im Jahr Starter) wie die Bekloppten durch und über (!) langsame Schwimmer schwimmen. Das ist Leuten von uns passiert, die mehr oder minder rücksichtslos unter getaucht wurden. Das geht null! Das kann einem garantiert auch ausversehen passieren, aber dann hält man an, checkt ob Opfer okay und entschuldigt sich. Das ist da nicht die Weltmeisterschaft oder der Kampf um Hawaii, das ist ein Spaßtriathlon mit einer unfassbar langen Wechselzone. Sprich: Bestzeit sowieso nicht möglich.

Einschubende.

Auf den letzten Metern konnte ich dann mangels Platz sowieso keine Meter mehr machen, also schwamm ich einfach nur hinterher und war nach 14:34 aus dem Wasser. Das ist für mich vollkommen okay. Bei meinem Debüt vor 2 Jahren habe ich noch 17:51 gebraucht. Man kann denn doch eine Steigerung erkennen.

Ab in die Wechselzone und eigentlich ging das alles sehr gut und schnell. Ich stieg in die Radschuhe ohne Socken (mach ich sonst nie) und wäre mit einem sehr guten 5 Minuten Wechsel auf der Radstrecke gewesen, wenn ja wenn nicht folgende Geräusche gekommen wären, als ich mein Rad vom Haken nahm: "Klong... Platsch... Platsch... Platsch..."

Mist. Hinterreifen total platt. Nun kann man dann so eine Sprintdistanz auch aufgeben, eine Zeit ist damit weg. Aber ich wollte nicht aufgeben und ich wusste, dass es beim Radservice eine große Luftpumpe gab. Also ab in die andere Richtung, hin zum Radservice und da den Schlauch gewechselt. Dankenswerterweise mit ein bisschen Hilfe, keine Ahung, ob dies dem Reglement entspricht, aber das sei mal egal.

Nun gut, nach 16:42 war ich auf der Radstrecke. Und anstatt vollständig in meiner Gruppe zu sein, war ich nun umgeben von Staffelradfahrern. Vorteil: Ich konnte schnell sehen, wen ich da überhole. Die Staffeln hatten gelbe Startnummern, die Einzelstarter weiße. Ich drückte also voll in die Pedale. Das ist bei kalten Muskeln natürlich nicht optimal, aber die Portion Wut im Bauch war da. Nach 5 KM hatte ich den ersten aus meiner Gruppe und hatte meinen Rhythmus gefunden.

Der Rest der 22 KM ging dann ganz flott über die Bühne. Nur so ein Staffelradfahrer nervte gewaltig. Okay, dass er grob mein Tempo fuhr ist geschenkt. Dass er bergauf etwas schneller war und flach/bergab etwas langsamer führte zu regelmäßigen Wechseln in der Führung. Ich habe auf die 10 Meter geachtet. Er nicht auf dem Hinweg klebte er schon ständig an meinem Hinterreifen, nach der Wende für gut 6 km. Das ist nicht fair. Mit einem Zwischensprint war ich ihn kurz los. Aber klar, wenn man dann so fröhlich Kraft sparen kann und nur eine Staffel radelt, ist es voll die Kunst 2 KM vor der Wechselzone wieder zu überholen und den Dicken zu machen. Es ist wahrscheinlich nur Zufall, dass er Stutzen der Rauten trug.

Okay, kurz geärgert, aber mit 44:49 war die Radeinlage ganz ordentlich. Ich kann das garantiert auch noch ein bisschen schneller, aber das wird noch.

Schnell gewechselt, nun wieder keine Socken (auch zum ersten Mal) und rauf auf die Laufstrecke. Ich lief so bei 95% des Möglichen und es ging eigentlich sehr locker. Und nun war überholen angesagt. Zwar flog mal ein Staffelläufer vorbei, aber aus meiner Gruppe holte ich die langsamen Starter einen nach dem anderen ein. Immer grob auf einer 6er Pace laufend ging es eigentlich sehr flüssig und gut. Der 4. km war etwas langsamer, aber dafür war Nr. 5 wieder schneller. Das Tempo hätte ich auch noch gut 5 weitere Kilometer halten können. Das ist dann für mich schon sehr gut. Am Ende eine 30:22, was bei meiner jetzigen Laufform ein echtes Brett ist. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren damals in bester Laufform hatte ich eine 31:40 gebraucht.

Und nun absolut fertig war ich auch nicht, als ich durch das Ziel lief. Wenn man den ersten Wechsel bedenkt, dann ist eine 1:51:02 sehr ordentlich. Ja, vor zwei Jahren habe ich eine 1:40:28 hingelegt, da waren es aber auch zwei Kilometer weniger Radstrecke. Ich bin zufrieden. Platz 303 meiner Altersklasse, sprich 20 noch hinter mir gelassen. Das ist angesichts des Wechsels, doch sehr gut. Ohne den platten Reifen, wäre ich round about 50 Plätze weiter vorne gewesen.

Fazit: Es hat Spaß gemacht, es war derbst wichtig für den Kopf und so kann ich das Comeback auch noch eine Stufe weiter treiben und habe mich für den Fördetriathlon in 3 Wochen angemeldet. Diesmal aber eine olympische Distanz. Und da dann wohl ob der Größe der Veranstaltung endlich mal wieder Letzter aus dem Wasser.

Ich freue mich drauf.

Sonntag, 12. Juli 2015

Mal ordentlich verfahren... Cuxhaven - Hamburg

Es gibt es noch. Das Qualitätsfernsehen, was einen bildet und einem "AHA!" Momente beschert. So letztens ein Beitrag im NDR Fernsehen über Fähren. Dort wurde u.a. die Schwebefähre in Osten-Hemmoor vorgestellt.

Bis zu diesem Beitrag habe ich historische Schwebefähren für etwas relativ normales gehalten. Jeder Norddeutsche kennt die in Rendsburg und ich war in meiner Jugend auch schon mal mit der in Middlesborough gefahren. Aber in dem Beitrag wurde erwähnt, dass es insgesamt nur noch 8 Stück auf der Welt gibt. Infos und wo die liegen, findet man auf der Internetseite der Schwebefähre Osten.

Damit war der Plan geboren Just a Bike Ride Nr. 2 diesmal von Cuxhaven über Osten nach Hamburg zu unternehmen. Der Gedanke war natürlich dies mit schönem Westwind im Rücken zu unternehmen. Das dann an dem Tag Ostwind herrscht, war eher ungewöhnlich, letztendlich aber auch nicht schlimm. Die Tour kurzfristig umzudrehen, verwarf ich angesichts des Schlagermoves jedoch. Ich hatte kein Bock am Ende eine Bahn voller Schlagerfans zu erwischen.

Der Tag begann nicht ganz so optimal, gab doch mein Radtrikot schon auf der Bahnhinfahrt seinen Geist auf. Bzw. der Reissverschluss gab seinen Geist auf.

In Cuxhaven also die verzweifelte Suche nach Ersatz oder irgendeiner Fixierung. Sicherheitsnadeln gekauft, aber das war auch eher supoptimal. Da aber alle Sportgeschäfte noch zu hatten, radelte ich erstmal los. Und radelte nach einem Kilometer an einem Radladen vorbei.

Man muss auch mal Glück haben. Hatten auf, hatten Trikot in XXL, okay null meine Farbe, aber egal.

Fahren wir halt so: 






Ich habe noch kurz geguckt, ob ich meine alte Firma finde. Daher der erste Kringel in den GPS Aufzeichnungen.

Die ihr nebenbei hier vollständig findet! Nachfahren gerne, aber dann bitte die Kringel nicht mitfahren.

Schnell war ich dann raus aus Cuxhaven und auf irgendwelchen Nebenstraßen ging es in Richtung Otterndorf. Der Blick was für Freunde der norddeutschen Tiefebene. Hier sind nicht wirklich Hügel vorhanden. Und wenn, dann sind es irgendwelche Deiche.







Die erste Stunde brachte 22 Kilometer und sollte letztendlich die langsamste Stunde der Tour blieben. Auch schon bemerkenswert. In Otterndorf gibt es nebenbei einen Verkehrshinweis auf den Nordseestrand. Lasst euch nicht verwirren. Es gibt da einen Nord- und einen Südsee dort. Der Nordsee ist ein Badesee. Das die sich "Nordseebad" auf ihr Ortsschild schreiben, ist a. ein gespielter Witz und meint b. dann doch DIE Nordsee.


Nun ging es an den Deich und immer weiter in Richtung Osten. Der Wind wurde schwächer, das Wetter erst sehr kalt und bewölkt, je näher ich Hamburg kam, umso besser wurde es.

Belum, Hörne und Freiburg / Elbe wurden durchfahren. Alles was für Freunde norddeutscher Landschaften






Nun musste ich nur den Absprung in Richtung Schwebefähre finden. Kurz hinter Freiburg war es soweit. Ich sagte dem Deich kurz "Auf Wiedersehen" und machte  mich auf den Weg ins Landesinnere. Mehr zufällig einen sehr direkten und schönen Weg über einen Wirtschaftsweg und dann einer graden Straße an einem Entwässerungskanal gefunden. Meine Schätzung, dass mein Umweg letztendlich vielleicht 10 hin und 6 zurück sein werden, erwies sich letztendlich als viel zu optimistisch. Ich kann es schwer schätzen, aber es waren wahrscheinlich am Ende schon gut 25 KM Umweg.

Nun fährt diese Fähre nicht gerade häufig und der Plan war um 13:00 da zu sein. Passte mit einer Ankunft um 12:54 sehr gut. Dafür war ich aber auch gut 10 Kilometer in einem 27er Schnitt gefahren.


Da ist sie...
ganz alleine auf der Fähre


Auf der Track ist der Weg über die Fähre nicht perfekt eingezeichnet, da ich das Gerät kurz aus hatte. Energie sparen. Vor mir eine Radgruppe, die dann aber lieber in das Lokal einkehrte und nicht Fähre fahren wollte.

Und so durfte ich um 13:00 Uhr ganz alleine übersetzen. In einem sehr gemütlichen Tempo wurden ich und mein Rad übergefahren. Eine Fähre und ein Fährmann (wird während der Fahrt gezahlt, jaja don't pay the Ferryman) nur für mich.

Kurze Pause und dann ging es zur Bundesstraße, die 1974 die Fähre ersetzte, um noch ein Foto zu machen.







Nun zurück zu meiner Strecke. Ich fuhr den Radweg an der Bundesstraße entlang. Das ist nicht gerade die angenehmste Strecke, aber es war nun mal die schnellste. Und so kam ich wieder zurück an die Elbe.

Kurz vor Drochtersen dann Mittagspause mit Kuchen und dann ging die wilde Hatz an der Elbe weiter. Immer noch sehr schöne, sehr verkehrsarme Wege und selbst die Ausflugsradler hielten sich in Grenzen. Da ich die Entfernung von Stade kannte, wusste ich langsam, dass ich mich ordentlich vertan hatte und die geschätzten 140 Kilometer nicht annähernd passen würden.

Hinter Stade war dann auch der schöne Teil vorbei. Nun entweder Obstmarschenweg oder direkt am Deich. Beim Obstmarschenweg Autos oder Ende, oder am Deich Ausflugsradfahrer in Dreierreihe nebeneinander. Ein Tod muss man sterben. Ich nahm den Obstmarschenweg. Erstaunlich dabei: Die meisten Menschen kennen den Unterschied zwischen einem benutzungspflichtigen und freiwilligen Radweg. Und auch die 1,50 Meter Abstand werden immer häufiger eingehalten. Sei mal positiv erwähnt.  Polizisten in Hamburger Uniform kennen das alles jedoch nicht. Nun gut. Er war örtlich nicht zuständig und damit war das Thema durch. Direkt neben einem her zu fahren, natürlich nicht in 1,50 Meter Abstand ist anderseits ein starkes Stück.

Ach ja: Liebe Gemeinden, kommt nun nicht auf die Idee eure Fußwege zu Radwegen umzuschildern. Sie sind einfach in einem Zustand, der echt Radfeindlich ist.




Auf Hamburger Gebiet gibt es eigentlich beinah nie benutzungspflichtige Radwege und die paar, die es gibt, habe ich mal ignoriert ;-). Nur war leider meine Strecke hier echt ätzend. Die Airbus Umgehung ist kein schöner Radweg. Und auch durch Finkenwerder ist nicht schön. Ich hatte mir da halt einen Weg runtergeladen und stellte erst jetzt fest, dass der die Elbe über die Hadag Fähre wechseln wollte.

Wollte ich aber ob das Schlagermoves nicht. Also noch ein Kringel und dann das wirre suchen eines Weges über die Elbe. Fahren Sie diese Kringel im Hafen bitte nicht. ;-)

Das kann man über Harburg allemal besser lösen. Dann aber durch Wilhelmsburg zurück zum Ausgangspunkt Hauptbahnhof.

Bis ich in den Stadtverkehr eintrat hatte ich immerhin noch eine Schnitt von 24,0 KM "in Bewegung". In der Stadt verliert man dann halt noch ein bisschen.

Am Ende also 174 km und damit die längste Tour in meinem Leben. Und damit mein erster Century Ride jemals. Nun war ich nicht komplett alle, aber nun noch ein Marathon? Mein höchsten Respekt gegenüber Leuten, die dies noch machen.

Ich lies mir zu meinen 18 Kilometern laufen dann doch gut 15 Stunden Zeit. Das lief bemerkenswert flüssig, wenn auch sehr langsam. Mehr als eine 7:27 Pace war nicht drin.

ABER: 192 Kilometer und ich habe endlich mal jeden einzelnen davon genossen.


































Montag, 6. Juli 2015

Bundesjugendspiele und wie es mit mir weiter geht

(Gerade als ich an diesen Zeilen schrieb, hat auch die Frau Balkongegenüber darüber gebloggt. Mein Artikel beinhaltet sehr viele ähnliche Gedanken.)


Wir leben in einer Welt, die von Leistung und dem damit verbundenen Leistungsdruck geprägt ist. Der Mensch hat sich in seiner Evolution ein System gegeben, welches auf einer sogenannten Bestenauslese und einer Bewertung des Menschen als nützlich oder unnütz basiert.

Ja, das klingt brutal hart. Aber nichts anderes ist der Kapitalismus, der u.a. auch davon lebt, dass man sich Menschen auswählen (!) kann, die für einen etwas tun. Das ist - in der reinen Theorie - eine Bestenauslese und da bleiben Menschen auf der Strecke.


Nun ist es eine sehr lange Diskussion, ob und wie man Kinder auf diesen Leistungsdruck vorbereitet. Er wird sie treffen, denn auch in 18 minus X Jahren werden unsere Kinder in einem kapitalistischen, von individueller Leistung und Leistungsfähigkeit (!) geprägtem System leben.


Nein, ich glaube nicht daran, dass Menschen vor der Erfindung des Warpantriebes und einem Treffen mit den Vulkaniern dies aufgeben werden. Neid, Missgunst, Macht und prahlen mit dem selbst Erreichten, ist eine viel zu starke Triebfeder des Menschen. Ja, das ist jetzt bewusst negativ formuliert.


Ich bin kein Pädagoge, aber in klugen Büchern steht immer, dass man Kinder spielerisch auf das Verlieren und Gewinnen im Leben vorbereiten soll. Dazu gehört insbesondere auch der sportliche Wettkampf. Wenn man diesen dann auch noch im Team bestreitet, dann kann man da spielerisch noch Werte wie Teamgeist etc. lernen. So die Theorie. In der Praxis muss man da wohl Abstriche machen.


Man entschuldige mir den Begriff Werte, der bekommt ja auch gerade so einen negativen Klang, aber es gibt Werte, die sind es wert so genannt zu werden. Teamgeist, Menschlichkeit, Fairness sind solche. Auch wenn Teamgeist immer ein "ihr" vs "wir" beinhaltet. Nichts hat eben nur eine Seite.


Ich war ein unsportliches und übergewichtiges Kind. Das hat was mit meinen Voraussetzungen zu tun, die ich in diesem Blog bereits mal erwähnt  hatte. Kurz ich hatte keine Leistungsfähigkeit. Das einzige was ich konnte war im Tor stehen. Ich war dick genug dieses auszufüllen und halbwegs passable Reflexe hab ich auch.


In meiner Traumwelt hat der Schulsport neben der spielerischen Vermittlung des Gewinnen und Verlieren auch die Aufgabe Spaß an Sport und Wettkampf zu wecken. So ganz aus der Luft gegriffen scheint mein Ideal ja nicht zu sein, wenn die man auf schulsport-hamburg.de in der Broschüre "Schulsport in Hamburg" folgenden Satz findet:

"Kinder und Jugendliche sollen dazu motiviert werden, regelmäßig Sport zu treiben." (Seite 14aaO)


Ich habe aktuell keine schulpflichtigen Kinder, aber aus meiner eigenen Lebenserfahrung kann ich nur sagen, dass die Schule dieses Ziel meilenweit verfehlt. Und dies scheint noch heutzutage der Fall zu sein, wenn ich diesen Tweet lese:


Von Anne Roth



Das ist eine Erfahrung, die auch ich gemacht habe und die ich unzähligen Gesprächen auch erfahren habe. "Wir laufen nun 3000 Meter". Ohne vorheriges Training, ohne vorheriges Hinführen für jeden Schüler, der nicht zufällig sowieso sportlich ist eine Qual und eine Strafe.

Noch nie habe ich gehört, dass auf dieses Ziel z.B. mal über 8 bis 9 Wochen hingearbeitet wird. Mit langsamen Läufen am Anfang, gezieltem Training am Ende. Schon gar nicht mit einer individuellen Vorgabe. All das, was Hobbyläufer jeder Leistungsklasse von ganz alleine planen, findet im Schulalltag trotz einer theoretischen Ausbildung der Lehrer offensichtlich nicht statt. Bei mir nie. Bei vielen anderen nicht. Schnackt mal drüber mit Leuten.

Und so sind auch Bundesjugendspiele ein Dreck. Die Kinder werden unvorbereitet da hin geschickt und so werden ihnen nur brutal ihre eigenen Unfähigkeiten aufgezeigt. Das ist nun brutal kapitalistisch "du bist nix wert, also geh nach Hause und nerv nicht", aber ich möchte den sehen, der dies als logischen Umgang mit Kindern vertritt.


Die sogenannten Helikoptereltern (btw das ist wie alles ein vollkommen pauschalisierendes Klischee) garantiert nicht. Nun ist die Abschaffung der Bundesjugendspiele garantiert auch keine wirklich tolle Idee, denn da kommen wir wieder zu oben. Ich kann mein Kind nicht vor jeder Niederlage schützen und dann mit 18 sagen "Willkommen auf dem ArbeitsMARKT" (meinetwegen auch mit 22, 27 oder wann auch immer). Der Schock wird dann viel größer sein.


Aber wie wäre es mit einer Alternative? Hinarbeiten auf individuelle Ziele, mit individuellem Trainingsplan und dann Abfrage zum Ende des Schuljahres. Die Kinder hätten Erfolge (und Misserfolge), würden sehen, dass Training Spaß macht und weiter führt und würden viel häufiger Spaß an Sport finden.


Oh das kostet Geld? Ja, das tut es und es ist einer unserer größten Fehler, den Bundesländern auf der einen Seite alle finanziellen Mittel abzugraben und sie auf der anderen Seite für das wichtigste verantwortlich zu machen, was wir haben. Unsere Kinder und Jugendlichen.

Dieser Artikel kommt nebenbei (außer in meiner Selbstbeschreibung) ohne die Floskeln "adipös" "Kinder sitzen vor dem Fernseher und bewegen sich zu wenig" etc. aus. Das sind Scheißhausparolen, von Leuten, die auch meinen "Ehe" im Sinne von Mann + Frau sei einer der oben genannten Werte. Mal ganz davon ab, dass sie pauschalisieren, diskriminieren und auch sonst Dreck sind.

Ich habe - bis mein Knie nicht mehr mochte - immer Basketball in einem Verein gespielt. Es hat mir immer Spaß gemacht, obwohl ich nicht gut war. Ich hatte da viele Freunde. Aber der Schulsport war immer eine Katastrophe. Er hat mir das Laufen so konsequent ausgetrieben, dass ich erst mit 38 daran wieder Spaß gefunden habe.


Ich musste an unzähligen Bundesjugendspielen teilnehmen, habe genau einmal eine Urkunde bekommen und bin nie wirklich vorbereitet worden. Vielleicht zweimal 30 Minuten Kugelstoßen und einmal die Wettkampfweite gelaufen, aber dass so Training nicht funktioniert, dass wissen wir langsam alle.


Ach ja das süsse Gift des Wettkampfes. Ich bin da ja nicht gerade konsequent. Das ist ja auch vielleicht ganz gut so. Ich hatte in einem meiner letzten Beiträge geschrieben, dass ich 2015 keine Wettkämpfe mehr bestreite. Das wird für echte A Wettkämpfe wahrscheinlich auch weiterhin gelten. Aber zwischenzeitlich habe ich den Spaß am Wettkampf wieder gefunden und noch viel wichtiger: Den Spaß am Training. Ich laufe, schwimme, radel endlich wieder mit einem entspannten Gesicht und freue mich auf jede Sekunde, die ich so verbringen kann.


Und daher werde ich dieses Jahr noch die Sprintdistanz absolvieren. Endlich mal wieder sein Rad irgendwo einhängen und nach dem Schwimmen abnehmen und dem Feld hinter her jagen. Ich freue mich drauf.



Sonntag, 21. Juni 2015

Ich wollte doch eigentlich nicht... / Hella Halb 2015

... aber irgendwie ging es dann doch nicht ohne. Eigentlich wollte ich dieses Jahr bei keinem Wettkampf starten.

Aber irgendwie juckte es dann doch und wenn man sich als Zielzeit eine 3:00:00 setzt, dann müsste doch ein Halbmarathon irgendwie laufbar sein. Insbesondere wenn die Trainingseinheiten der letzten beiden Wochen sehr schön und locker von der Hand gingen und ich mich jetzt besser fühle, als das ganze Jahr vorher.

So brach ich dann alle guten und schlechten Vorsätze und murmelte Samstag an der Hallerstraße das gemeine Wort "Nachmelden". Kurze Zeit später war ich um eine ordentliche Bargeldsumme ärmer und um eine Startnummer reicher.

Der Hella Halb. Eine der wenigen Massenveranstaltungen, die ich immer noch gerne mit laufe. Nie wirklich ein Ziel von mir, was Training angeht. Meistens irgendwie direkt nach einem Höhepunkt oder nach einer längeren Erholung gelegen. Aber ich laufe seit Juli 2009 und habe seitdem jeden möglichen Hella Halbmarathon (sprich das erste Mal 2010) mitgelaufen. Half nix, irgendwas in mir sagte: Statt Heilbronn, dann halt Hella.

So stand ich Sonntag zu früh auf, freute mich auf die Exilfamilie (sprich @exilfortunin und @exilsgdfan) und freute mich auf einen lockeren schönen Lauf.

Auto am Ziel geparkt und kurz noch auf Klo gewollt. Weil es zwar am Ziel, nicht aber am Start Wasserklos gibt. Und nennt mich Weichei oder Luxusscheißer, aber ich mag Wasserklos lieber. Aber wenn der vor mir stöhnt, als ob er den Orgasmus seines Lebens hat und dreimal spült und ungefähr genügend Klopapier für einen Kindergeburtstag abrollt, dann äh dann ist das too much information und man geht zu einem anderen Klo.

Und ja, da müsst ihr jetzt durch. Ich musste das immerhin real life erleben.

Der Pendelbus brachte mich ruhig und entspannt zum Start und ich war natürlich viel zu früh. Aber the early bird catches the free Dixie. Und ich mag alles, aber keine Hektik vor dem Start.

Ich steh da also so rum, da schnackt mich doch echt der  @combator von der Seite an. Nett dich getroffen zu haben, Digga. Und dann hast du ja echt ein Brett in den Hamburger Asphalt gedrückt. Noch kurz mit der Exilfamilie und  @datjulken geschnackt und dann ging es zum warmlaufen und in die Startaufstellung. Zufällig noch die @knotensusi getroffen und damit war die Twitterlaufgemeinde auch fast vollzählig getroffen.

Ich hatte mir vorgenommen LANGSAM los zu laufen. Der Start an der Reeperbahn führt dazu, dass man erstmal bergab läuft. Das verleitet dazu Gas zu geben und dann ist es schwierig wieder raus zu nehmen. Langsam also los. Ups, der erste Kilometer war dann doch eine 6:30. Naja, hier war ich häufig genug auch schon mit einer 5:50 los gedüst. Um dann zu sterben.

Dann erstmal ab in die Hecke und schon ist man bei der Wende und läuft runter Richtung Fischmarkt. Ich achtete auf einen ruhigen, lockeren Lauf aus dem Fußgelenk und blieb so bei 6:34, 6:35, dann auch mal eine 7:04. Letztere, weil man dann die Helgoländer Allee hoch muss. Ja liebe Nicht-Hamburger, Hamburg ist - wie beinah jede Fluss-Stadt NICHT flach.

Noch mal über die Reeperbahn, noch mal Wende und dann an der Speicherstadt vorbei in Richtung Alster. Ich werde kein Freund mehr, dass man Läufe in Hamburg durch den Wallringtunnel führt. Ich mag das nicht da drin. So guckte ich der Dame vor mir auf die Schuhe und irgendwie ging es so ganz ruhig und irgendwie in OOOOOHHHHMMM da durch. Huch! Wir sind ja schon bei KM 12. Ich hatte mir Samstag noch zwei Gele gekauft und nutzte die. Passte gut und obwohl ich zwischen 7:14 und 6:35 schwankte, hatte ich das Gefühl locker und konstant laufen zu können.

Aber gerade diesen Halbmarathon sollte man nicht vor dem Abend loben. An der Alster muss man kurz wenden. Und wen sehe ich da auf der Gegenseite kurz vor mir? Zwei liebe Bekannte, kurz gewunken, gefreut und ich überlegte kurz, ob ich Gas gebe. Schnell wieder verworfen, denn dafür war ich mir zu unsicher, ob ich durchlaufen könnte.

Normalerweise kommt beim Hella Halb ab Kilometer 15 mein heldenhafter Einbruch. Alleine schon, weil es jetzt immer wieder von der Alster hoch und zur Alster runter. Aber siehe da: Ich schwankte zwischen 7:03 und 6:45, lief also sehr konstant und fühlte mich auch locker. Endspurt? Vergiss es! Das ging dann auch nicht. Und so lief ich weiter.

Dann kommt noch mal eine fiese Steigung und die Rothenbaumchaussee als Zielgrade ist auch noch mal bergauf, aber es ging gut. Locker. Ich überholte die ganze Zeit eher, als dass ich überholt wurde. Ein schönes Gefühl. Leider waren unter den überholten auch besagte zwei Freunde. Der Fuß der Dame hatte genörgelt und da die beiden "frei von jedem Ehrgeiz" (Zitat) laufen, beschlossen sie den Rest Weg zum Erdinger zu Fuß zu gehen. "Trink ja nicht zwei" hörte ich noch, als ich sie verlies. So muss man laufen.

Nicht so schön waren die armen Läufer, die am Straßenrand lagen. Normalerweise ja eine Kunst, die insbesondere junge Männer beherrschen, die einfach nicht auf ihren Körper hören, denn heute muss doch die Bestzeit fallen (auch wenn es 35 Grad sind), diesmal jedoch waren es Mädels. Eine gut 700 Meter vor dem Ziel. Oh man. Das ist ärgerlich. Ich hoffe allen geht es wieder gut. Das ist echt immer nicht schön.

Weiter lief ich konstant knapp unter 7 Minuten und so war mein 5. Hella Halbmarathon nach 2:24:39 Geschichte. Das ich dieses Jahr schon gut 11 Minuten schneller auf der Halbmarathondistanz war, ist geschenkt. Dafür ist zwischendurch zu viel Murks passiert und ich einfach nicht in Topform. Für meine Form von Heute ist das ein wirklich tolles und gutes Ergebnis.

Der Lauf ist gut organisiert, man hat genügend Platz und es gibt ungefähr jedes Produkt von Hella, was man sich vorstellen kann. Ganz billig ist er nicht, aber das liegt natürlich auch an der Sperrung von vielen Innenstadtstraßen. Nun ist er wohl von der Finisherzahl die Nr. 2 in Deutschland. Berlin? In 10 Jahren haben wir dich. Vielleicht bin ich dann ja auch mein 15. Hella Halb gelaufen!




Sonntag, 14. Juni 2015

Einfach mal Rad fahren.

Schon lange überlegte ich, einfach mal von Hamburg nach Bremen oder andersherum mit dem Fahrrad zu fahren.




Leider hat das früher nicht gepasst, so dass ich dieses Wochenende endlich mal die Tour in Angriff genommen habe.




Kurz mal im Internet gesucht und schnell eine Strecke gefunden. An die habe ich mich dann auch zu 90 % gehalten, aber dazu später mehr.




Die Wettervorhersage sagte Gewitter voraus, dies schon ab morgens, aber ich entschied trotzdem mein Glück zu versuchen. Da aber den ganzen Tag Südwind angesagt war, entschied ich mich das ganze als Bremen - Hamburg zu fahren, also erstmal mit dem Metronom bis Bremen zu fahren.


Das Unternehmen Metronom zeichnet sich durch dumme und gute Ideen aus. Über den Umgang mit Fußballfans könnte man hier einen eigenen Blogbeitrag machen, aber darum soll es nicht gehen. Da haben sie sehr dumme Ideen. Bei dem Transport von Fahrrädern haben sie hingegen gute Ideen und haben einen eigenen Fahrradwagen eingerichtet, der Platz für sehr viele Räder bietet. Was er leider nicht bietet ist ein Sitzplatz für die Radler, dass man gleichzeitig sein Rad auch sehen kann. Das ist bei dem Transport eines Rennrades immer etwas nachteilig.

Bequem fährt das Rad nach Bremen



Da mir ein Radwanderer Löcher in den Bauch fragte, vergingen die 90 Minuten bis Bremen wie im Fluge.


Der große Vorteil der oben verlinkten Track ist, dass sie von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof führt. Und so war ich direkt nach dem Hauptbahnhof auf der Spur. Samstag morgens ist auch in Bremen am Hauptbahnhof eher geringer Verkehr, so dass ich ganz entspannt auf der Straße rollen konnte und mit Rückenwind ein gutes Tempo machte.

Bremen Hauptbahnhof, nun geht die wilde Hatz los



Die Straße verlies man dann aber schnell und bereits nach 5 Kilometern schlug man sich bei der Bremer Universität "ins Gebüsch". Man folgt nun den nächsten Kilometern einem glatt asphaltierten Weg, der auf einem Binnendeich angelegt ist. Da ist schnelles und entspanntes Radeln garantiert. Noch kurz die A 27 überquert und dann ist man in der freien Natur.

Auf dem Deich



Sehr bemerkenswert ist, dass bereits hier Hamburg als Radziel ausgeschildert ist. Es gibt einen offiziellen Fernradwanderweg Hamburg - Bremen und der ist nahezu durchgängig gut beschildert. Wenn man bedenkt, wie schwer sich Schleswig Holstein damit tut große Städte als Radziele auszuschildern, dann ist das wirklich lobenswert. In Schleswig Holstein sieht man am Horizont schon die Lübecker Türme, findet aber trotzdem keinen Wegweiser nach "Lübeck".

Selfie nach gut 15 Kilometern



Viel Mensch trifft man nun nicht mehr. Einige Radler, einige Angler, ein paar Hundebesitzer und ein paar Jogger.


Die Sonne brannte, es war warm und ich stellte schnell meinen Fehler fest. Hatte ich doch die Sonnencreme vergessen. Der Gedanke sich irgendwo welche zu kaufen, fiel schon aufgrund passender Geschäfte ins Wasser. Aber man muss auch mal Glück haben und so traf ich nach 12 Kilometern eine dreiköpfige Familie, die a. Sonnencreme dabei hatte und b. dankenswerterweise mir auch noch welche abgab.


Kurz zuvor die erste Schrecksekunde des Tages. Wenn man mit so einem Rennrad unterwegs ist, dann vermeidet man ja gerne Schlaglöcher und zu unebene Straßen. Denn zuviel können Schläuche und Mäntel nun nicht ab. Auf diesem sonst wirklich schön zu fahrenden Stück sind aber Holzbrücken vorhanden, die in einem eher bedauerlichen Zustand sind. Auf die erste Brücke knallte ich mit gut 30 Stundenkilometer, weil ich es einfach zu spät gesehen hatte. Das Rad tanzte und mein Garmin löste sich aus der Halterung und ging auch erstmal auf dem Asphalt tanzen. Zum Glück sind die Teile anscheinend äußerst robust gebaut, denn ohne wirkliche Schäden konnte ich es aufheben und weiter fahren.


Sonst waren die ersten 20 Kilometer bis Fischerhude ein Radhochgenuß. Trotz Fotos machen und einem wirklich gedrosseltem Tempo hatte ich nach 1 Stunde gut 25 Kilometer abgerissen.


Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, denn ab nun nutzt der Radfernwanderweg auch Strecken, die für ein Rennrad absolut ungeeignet sind, aber auch mit einem Touringrad äußerst schwierig zu befahren wären. Schade eigentlich, denn sonst wäre das eine absolute Traumstrecke.


Teilweise unbefestigte Straßen mit ganz vielen Steinen drauf, teilweise - und das ist schlimmer - so sandiger Boden, dass die Reifen durchdrehten und man wirklich Probleme hatte, auf diesen Wegen zu fahren.
Radweg? Sandkiste!


Zum Glück fahre ich relativ robuste Continental Mäntel, sonst hätte ich wohl im Nichts eine Panne gehabt.

Denn nun trifft man nur noch sehr selten einen Menschen. Es gab echt Abschnitte, da sah ich gut 20 Minuten niemanden.

Nach gut 50 Kilometern gingen meine Wasservorräte doch etwas schnell zur Neige und so ein kleines Frühstück kam mir auch in den Sinn. In einem für das Schützenfest geschmücktem Dorf (Name habe ich ehrlich gesagt nicht mir gemerkt) fand sich ein Bäcker, wo man sein Rad so hinstellen konnte, dass es direkt neben dem eigenen Sitzplatz stand.


Nach dieser Pause ging es gut gestärkt weiter. Schöne ruhige Straßen wechselten sich immer wieder mit unbefestigten nervigen Wegen ab. Darunter litt natürlich auch ein bisschen das Tempo, aber am Ende sollte ein 22,6 Kilometer Schnitt auf der Uhr stehen.


Am besten das Stück, wo auf historisches Kopfsteinpflaster hingewiesen wurde. Vergesst Paris-Roubaix, fahrt Bremen - Hamburg. Nun wären 900 Meter Kopfsteinpflaster ja eher so eine Spaßerfahrung, wenn danach nicht der nächste extrem sandige Abschnitt gewartet hätte. Es nützte nix, ich musste ein Stück schieben.

Kopfsteinpflaster Hinweis



Zum Glück hielten sowohl Material, als auch Wetter. Nur leider sind meine Radschuhe nicht wirklich bequem und so musste ich doch mal kurze Pausen machen, um meinen Füssen ein bisschen Luft zu geben. Hier muss ich wohl mal in Material investieren.


Man fährt ein ganzes Stück auch in Sicht- und Hörweite der A 1. Ist schon lustig, man trifft keine Menschenseele, ist irgendwo im Nichts und hört doch die Zivilisation deutlich rauschen. Mit Hilfe meines Garmin begann ich ab Kilometer 65 auch mal Sandabschnitte zu umfahren. Kurz die Karte groß gezogen und dann auf der Straße weiter gefahren. Funktionierte sehr gut und ich bin zum Glück nicht vom Weg abgekommen.

Ist schon schön so in Norddeutschland



In Hollenstedt war dann noch mal eine längere Pause angesagt. So langsam nahm der Wind zu und auch die Bewölkung, so dass klar war, dass irgendwann das Gewitter kommen würde. Da man hier aber schon relativ nah an Bahnstationen ist, war mir klar, dass ich nun schon gut nach Hause kommen würde.



Selfie nach 100 KM







Gut 90 Kilometer waren abgespult und nun kam doch eine neue Herausforderung auf mich zu. Sandwege waren nun Geschichte, aber die Harburger Berge heißen schon nicht zu Unrecht Berge. So waren doch ein paar Anstiege zu meistern. Gerade die Rosengartenstraße bis Sieversen ist mir in Erinnerung geblieben. Ein ständiger Anstieg, der noch mal alle Reserven verlangte.

Übertritt der Stadtgrenze
Innerhalb der Harburger Berge wurden dann auch die 100 KM überfahren. Von hinten näherte sich nun ein Gewitter, aber noch war Abstand vorhanden und so ging es über die Hamburger Stadtgrenze.

Was man in den Harburger Bergen hoch gefahren war, rollte man nun wieder runter und so ging es die Eißendorfer Straße rasant in Richtung Harburg City.

Diese zu durchfahren ist immer wieder ein eigenes Abenteuer. Und ich verpasste eine Unterführung, so dass ich ein paar Kringel machte. Nun in bester Einkaufszeit war an Tempo oder so nicht mehr zu denken. Häufig genug zeigte der Tacho nur noch 10 km/h an. Aber es gilt nun mal Safty first!

Irgendwann hatte ich mich dann aber durch Harburg geschlängelt und stand an der Alten Harburger Brücke. Das Gewitter nun direkt im Nacken. Es begann eine Art Wettrennen. Welches ich aber nicht gewinnen konnte, so dass ich mich ein bisschen unterstellte, den Starkregen passieren lies und dann bei normalem Regen die nächste Bahnstation anpeilte.

In Wilhelmsburg war Musikfestival, so dass an jeder Ecke Musik zu einem drang und Menschen von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort wanderten. Schon eine schöne Stimmung in einem aufstrebenden Hamburger Stadtteil.

Am Ende standen dann 130,9 KM auf meinem Tacho mit einem Durchschnitt von 22,6. Das ist doch ganz ordentlich, wenn man bedenkt, dass auf vielen Abschnitten bedingt durch den Belag ein Tempo fahren nicht möglich war.

Insgesamt hat es richtig Spaß gemacht. Kann ich jedem nur empfehlen. Ich werde die Tour garantiert noch mal machen und dabei versuchen die ganzen Sandwege zu umgehen.















Dienstag, 5. Mai 2015

Leider keine Road to Almere / Ein Jahr ohne A-Wettkampf

Wir machen das hier alles, weil es Spaß macht. Niemand von uns verdient damit ernsthaft Geld und es steht eher die eigene Leistung und die eigene Zeit im Mittelpunkt. Die ist bei mir immer im hinteren Teil des Feldes, ist so. Reicht mir und macht mir Spaß.


Aber es gibt immer eine Prämisse für mich, die absolut und ohne Ausnahme befolgt wird: Höre auf deinen Körper. Ich habe schon Marathonläufe abgebrochen, weil der Körper mir gesagt hat, dass es heute nicht geht. Ich gehe lieber übellaunig bei KM 18 aus dem Rennen, als das ich bei KM 25 von Sanitätern aus dem Rennen getragen werde. Ja, ab und zumal ist DNF eine Option. Ist so.


Und Halbdistanz Triathlon ist für mich eine Grenzerfahrung. Eine sehr schöne, aber eben doch am Rande dessen, was ich mit meinem Training und meiner Leistungsfähigkeit erreichen kann.


Was andere wahrscheinlich mit verbundenen Augen aus dem laufenden Training heraus machen, klappt bei mir mit einer perfekten Vorbereitung so gerade eben in der vorgegebenen Zeit. Das mögen einige lustig finden, andere es nicht für "wahren" Sport halten. Mir macht es jedoch Spaß und ich freue mich immer noch wie ein Schneekönig über diese letztjährige Leistung.


Nur da kommen wir wieder zum schwimmen: 1,9 KM schwimmen sind für mich lang. Das ist Grenze. Und so war ich letztes Jahr im Mai schon mehrfach im Schwimmbad auf dieser Länge unterwegs und hatte sie gut im Griff.


Und nun kommen wir zu 2015. Ich bin zur Zeit das dritte Mal in diesem Frühjahr erkältet. Als Erwachsener (und das bin ich nun schon 24 Jahre, wenn man die Volljährigkeit als Maßstab nimmt) war ich noch nie mehr als einmal im Frühjahr erkältet.


Kurz: Da sendet der Körper extrem ein Warnsignal. Ob nun einfach schlechter Lauf, zuviel Training (eigentlich nicht mehr als letztes Jahr) oder auch eine Überbelastung der zwei Jahre, ich weiß es nicht. Ich weiß nur eines: Höre auf deinen Körper und gerade bei Triathlon Sicherheit zuerst! Ich mache das aus Spaß und nicht, weil ich ein cooler Hecht bin. Und der Körper brüllt hier: Lass es sein!





Mal ganz davon ab, dass die jetzt 6 Wochen Trainingsausfall auch insbesondere die Schwimmleistung immer wieder massiv zurück geworfen haben. Und da schließt sich der Kreis. 1,9 Kilometer sind mir zu riskant.


Daher habe ich nach langem überlegen und frühzeitig in der Saison beschlossen: Leider keine Halbdistanz dieses Jahr. Klar, bis Almere sind es heute noch 4 Monate und ein paar Tage. Theoretisch genügend Zeit um noch mal neu zu starten und zu hoffen.


Aber noch mal: Drei Erkältungen in einem Frühjahr? Irgendwas stimmt da nicht. Sollte man nicht überhören. Daher lieber: Grundcheck, langsamer Aufbau und kein A-Wettkampf 2015. Vielleicht noch ein paar Halbmarathone und ein paar Triathlon Sprintdistanzen. Sonst nix.


2016 wird (hoffentlich) wieder angegriffen.